Anfahrt, Balkan bis Albanien

 

 

So, jetzt ist es mal langsam an der Zeit, dass diese Seite fortgeführt wird. Jetzt sind wir schon fast 3 Monate zu Hause und ich habe noch kein Wort zu unserer tollen Adriarundreise geschrieben. Irgendwie stört  die ganze Arbeit bei der Freizeitgestaltung.

Eins einmal vorweg, es war super.

Da einige von Euch auch den Reisebericht zu Marokko gelesen haben, kommen wir einer Bitte gerne nach und schreiben etwas mehr über unsere Unterkünfte auf dieser Reise, wobei der Eindruck hier natürlich sehr subjektiv ist. Wir haben immer mehr Wert auf Sauberkeit als auf Luxus gelegt, da sonst bei täglich wechselnden Hotels in fünf Wochen das Budget doch arg in Bedrängnis gekommen wäre.

 

1. Tag - 8. Mai 2012  -  676 Kilometer

Jutta und ich trafen uns mit unseren wunderschön bepackten Motorrädern im Bergischen Land mit unserem Freund und Kollegen Volker, der ein Großteil der Reise mit uns gemeinsam verbrachte. Der erste Tag führte uns über gut ausgebaute deutsche Landstraßen bis hinunter nach Kehlheim an der Donau. In diesem Urlaub haben wir keine feste Routen zu Hause am PC vorgeplant, sondern sind mit "Frau Garmin" einfach drauf los gefahren. Wir haben zuvor Einstellungen dahingehend vorgenommen, dass wir eine Vermeidung von Autobahnen und Mautstraßen eingegeben haben, dann haben wir uns einen kleinen abgelegenen Ort auf der Karte ausgesucht, der in ungefährer Richtung unseres Ziels lag, einige wenige abgelegne Orte als Zwischenziele und dann gings los. Das hat hervorragend funktioniert, wir hatten so immer Etappen von ca. 300 Kilometer, dann haben wir einfach ein neues Ziel eingegeben und weiter gings.

 

 

An diesem Tag führte uns Frau Garmin über kleine Straßen des Bergischen Landes, des Siegerlandes, Taunus und Spessart bis hinunter nach Bayern. Es war eine lange aber wirklich kurvenreiche und landschaftlich sehr schöne Streckenführung. In Kehlheim übernachteten wir direkt an der Donau gelegen, im Gasthaus Stockhammer mit Blick auf die wirklich schöne Befreiungshalle, leider auch mit Blick auf die wirklich hässliche Fußgängerbrücke. Wenn man diese Brücke sieht, stellen sich einem wirklich die Fragen  "Wer war das? Wer hat das hier hingesetzt? Warum macht jemand so was?"

 

Der Gasthof Stockhammer ist ein familiär geführtes Gasthaus mit bürgerlicher Küche und wirklich guten Zimmern. Bedienung ist sehr freundlich und das Essen sehr gut. Meines Erachtens ist das Preisniveau beim Essen sehr gut und bei den Zimmern angemessen. Aber wie bereits erwähnt, eine wirklich subjektive Meinung. yes

 

2. Tag -  9. Mai 2012  -  491 Kilometer

An diesem Tag fuhren wir von Kehlheim in Bayern, über Oberösterreich, dem Salzburger Land bis in die Steiermark.

Unsere mittlerweile recht lieb gewonnene Frau Garmin führte uns durch abgelegene absolut verkehrsarme Straßen Bayerns, zunächst zur deutsch-österreichischen Grenze nach Burghausen. Solltet ihr jemals in der Nähe von Burghausen sein, auf jeden Fall die Altstadt ansteuern, Auto oder Motorräder abstellen, Kaffee trinken und das Leben genießen. Würde man die Fahrzeuge vom Marktplatz verbannen, könnte man sofort einen Mittelalterfilm drehen.

 

 

 

Dazu die mehr als ein Kilometer lange Burganlage auf dem Berg oberhalb der Altstadt.

Ein Traum sag ich Euch, besonders schön sitzt man am Marktplatz unmittelbar an der Salzach, zugleich die Grenze zu Österreich. Geht man in einem solchen Kaffee im Keller auf die Toilette, hat man das Gefühl, man erledigt das Geschäft bin Österreich, da der Weg doch recht weit durch das Kellergewölbe führt. devil

Unsere Weiterfahrt führte inmitten des Ortes über eine kleine Brücke über die Salzach nach Oberösterreich, Richtung Mattighofen, dort vorbei an dem KTM-Werk, wo doch auch wirklich sehr schöne und gute Sachen gebaut werden. Da habe ich doch auch einmal als BMW-Fahrer gegrüßt. Durch den grausigen Retortenort Obertauern ging es dann kurvenreich durch das Salzburger Land in Richtung Steiermark. Und es kam es wie es kommen musste. Schon häufiger wollten wir über den Sölkpass, weil wir den noch nie befahren haben. Aber ..... crying Wintersperre..... crying wirklich tolle Wurst dachte ich mir. Nach viel überlegen, fluchen und studieren der Karte entschieden wir uns für die Turracher Höhe, wirklich ein Motorradfahrertraum, den wir aber auch schon häufiger gefahren sind. Wir ahnten es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber dieser ungewollte Umweg sollte sich noch lohnen. Zunächst einmal machten wir uns auf dem Weg. Kurz vor der Turracher Höhe - Regen angry Ach ja und kalt angryangry. Der Regen lies dann Gott sei Dank bald wieder nach. Die Straße blieb jedoch nass, was dann doch den Fahrspaß etwas minderte. Mittlerweile hatten wir bereits späten Nachmittag also warum nicht schon jetzt eine Unterkunft suchen, was sich in einem Urlaubsgebiet außerhalb der Saison erstaunlich schwierig gestaltete. Aber wir, o.k. sagen wir Jutta, sie hatte als Einzige das ca. 12 m² Werbebanner nicht übersehen, fanden dann südlich der Ebene Reichenau in Gnesau den Gasthof Fugger "Zum Portugiesen". (Anmerkung: mittlerweile leider geschlossen)

 

 

Wir hatten einen schönen kurvenreichen Tag, der uns zumindest in Deutschland über tolle einspurige Nebenstrecken führte. Und die Alpen, na was soll man dazu noch sagen, Fahrspaß pur halt.

Der aus der Not heraus gefundene Gasthof Fugger "Zum Portugiesen" erwies sich als wahrer Glücksgriff. Einfache aber sehr saubere und sehr günstige Zimmer in einem einfachen aber sehr gemütlichem Lokal mit herausragendem Essen. Nach einer Fleischspießorgie flossen noch ein paar Liter Gebrautes und einiges an Gebranntem. Müde und voll......    voll gegessen meine ich natürlich wink sanken wir dann ins Bett. Absolut empfehlenswert. yesyesyes

 

 

3. Tag  -  10. Mai 2012  -  350 Kilometer

 

 

Vom Portugiesen aus fuhren wir nach einem Tip des Wirtes über Seitenstraßen in Richtung Kärnten. Von dort weiter nach Slowenien. Wir fuhren dann eine ganze Weile an der Drava entlang bis kurz vor Maribor, um anschließend durch die letzten Alpenausläufer in Richtung Süden zu fahren. Da wir meist nur kleine verwinkelte Seitenstraßen fuhren, hielt sich an diesem Tag die Kilometerausbeute in Grenzen. Es machte jedoch einen Heidenspaß. Irgendwie steckte aber auch noch der Vorabend etwas in den Gliedern. Das gute Essen halt angel. In Sevnica machten wir einen kurzen Tankstop, bei dem wir uns dann gegen 16.00 Uhr dazu entschlossen auf Hotelsuche zu gehen. Zu dumm nur, dass wir die letzten zwei bis drei Stunden wirklich kein Gasthaus gesehen haben. Also, in den POI von Frau Garmin und dort nachfragen. Es wurde uns ein Hotel in Sevnica vorgeschlagen, welches wir dann prompt aufsuchten. Das äußere Erscheinungsbildes dieses "Hauses" veranlasste uns jedoch dazu, den Helm aufzulassen, den Motor anzulassen, kurz den Kopf zu schütteln und erst einmal weiter zu fahren. Also hierzu jetzt Absteige zu sagen, wäre nur ungerecht allen Absteigen gegenüber. Puuh was gruselig. Als Tierheim, wäre jede Tierschutzvereinigung dagegen vorgegangen. Also weitersuchen. Frau Garmin noch einmal gefragt und ich suchte blind einen Vorschlag aus, der einige Kilometer entfernt war, um einfach Entfernung zwischen uns und diesem "Haus" zu legen. Wir wurden nördlich von Sevnica durch die Berge geführt, die sich dann zu Weinbergen wandelten.

 

 

Die Gegend war plötzlich nicht mehr wieder zu erkennen einfach herrlich und bildschön, kleine verwinkelte Straßen führten immer weiter in die Weinberge hinauf, bis wir in der Nähe von Podvrh (könnt selber schauen, wie ihr das aussprecht cheeky) vor dem Weingut Grobelnik standen. Es handelte sich um ein großes sehr gepflegtes Anwesen von der Frau Garmin meinte, das ist sich Hotel, genau wie eben auch. Aber nicht im entferntesten zu vergleichen.

 

 

Also Jutta fragte die eifrig arbeitende Frau im Garten. Die kam freudestrahlend und glücklich drein blickend rüber und erklärte uns auf slowenisch mit bröckelenglisch, dass es Zimmer gibt und machte uns ein Angebot mit Halbpension, welches wir nicht ausschlagen konnten. Also erst mal ein Bier (oder waren es doch wieder zwei oder drei, ach ja schon so lange her indecision), dann Motorräder unterstellen. Diesen Unterstellplatz hätte ich auch schon als Unterkunft akzeptiert, hatte was. Dann die wirklich hübschen Zimmer beziehen, duschen und runter, weil .... HUNGER.

 

 

Das Essen dauerte noch etwas, da alles frisch und exklusiv nur für uns zubereitet wurde. In der Zwischenzeit fanden wir heraus, dass in der Küche nur eigene Zutaten des Gutes verwendet wurden. Dazu gab es eigenen Wein, klar, und eigenen Grappa oder Trester irgend sowas halt. Dieser Abend war der Hammer. Das Essen, drei Gänge, Pasta, Fleisch und selbstgebackene Nachspeise, eine echte Sensation, dazu der Wein, Schnappes, Kaffee und das Ambiente des Hofes, super.

 

Zum Abschluss in den Weinkeller, ein Traum, also Grappa kaufen und während der gesamten Fahrt mitschleppen. Gott sei Dank in Juttas Koffer, weil die Flasche dünstete ein wenig aus, so dass Jutta während der Reise in ihren Klamotten immer etwas nach Fuselschwester rochblush

Wir sind uns einig, hier müssen wir wieder hin. Die Lage, Gastfreundschaft und Preis/ Leistung nahezu unschlagbar.              yesyesyesyesyes

 

4. Tag - 11. Mai 2012  -  426 Kilometer

 

 

An diesem Tag fuhren wir zunächst durch Slowenien in Richtung Novo Mesto, um dann bei Metlika über die Grenze nach Kroatien zu fahren. Wir sind mittlerweile mehrfach durch Slowenien gefahren, sei es zur Durchreise, oder auch als Etappenziel. Es entwickelt sich langsam zu einem unserer Lieblingsländer, tolle Straßen, wenig Verkehr, abwechslungsreiche schöne Landschaft, herzliche Menschen, zwar wenige aber gute Unterkünfte und trotz Euro immer noch ein vergleichsweise gutes Preis-/ Leistungsverhältnis.

In Kroatien bogen wir dann auf einer asphaltieren Seitenstraße mit Hilfe von der guten Frau Garmin kurz vor Karlovac (da kommt übrigens das gute Karlovacko Pivo her cheeky) ab und folgten dieser an einem kleinen Fluss entlang. Das fühlte sich jetzt an wie "Wilde Maus" fahren, ein stetiges Bergauf und Berab, ein Hin und Her, wirklich amüsant. Beim Asphaltieren dieser Straße muss reichlich Alkohol im Spiel gewesen sein.

 

 

Statt Richtung Küste zog es uns diesmal durch das bergige Hinterland entlang der bosnischen Grenze.

 

 

Auch wenn vereinzelnt die Kriegspuren des Balkankrieges noch deutlich sichtbar sind, war es eine tolle Fahrt.

 

 

Gegen Abend erreichten wir Knin und dort das Hotel "Ivan". Quadratisch, praktisch, gut, passt hier wohl am besten.

 

 

Gutes Hotel ohne besondere Ausschläge nach oben oder nach unten. Auch die augenscheinliche High-Tech-Dusche konnte nicht mehr als andere Duschen blush. Aber insgesamt ein solides Hotel.  yes

 

 

5. Tag - 12. Mai 2012  -  390 Kilometer

 

 

An diesem Tag fuhren wir durch die Berge nach Bosnien, unmittelbar an der Tanke hinter der Grenze, erst mal Kaffee, einer der Besten der nördlichen Erdhalbkugel übrigens. Sind nun das dritte Mal in Bosnien gewesen und damit war es auch der dritte Kaffee an dieser Tankstelle. Wir hoffen, dass es nicht der Letzte gewesen sein wird. Wir fuhren dann über gewohnter Strecke, durch das ehemalige Jagdrevier Titos, an Seen entlang und durch atemberaubende Landschaften nach Gorni Vakuf Uskoplje.

 

 

Am frühen Nachmittag erreichten wir unser geliebtes Hotel "Radusa". Nach einem herzlichen Hallo beim Toni und seiner Familie, erstmal Karlovacko und eine Platte köstlichen Prsut (feinster luftgetrockneter Rohschinken) cheekycheeky.

 

 

Hier blieben wir eine Woche und fuhren bei Reiner, Ivan und Alberto eine Woche Enduro durch die bosnischen Berge. Natürlich wechselten wir von unseren schweren BMW's auf leichte und handliche Beta 400.

 

 

In dieser Woche hatten wir Muskelkater, Prellungen, Zerrungen, Blutergüsse und mehrere Kater. Rundum, wieder eine tolle Woche, auch diesmal waren wir uns einig, das machen wir nochmal. Insbesondere die Tage mit 35cm Neuschnee waren der Hammer. Vielen Dank an alle, die an dieser Woche beteiligt waren. yesyesyesyesyes Ach ja und das war wieder mal lecker dort, und viel, häufig zu viel.  cheekycheeky

 

 

 

12. Tag - 19. Mai 2012  -  335 Kilometer

 

 

Heute hieß es dann Abschied nehmen und auf Wiedersehen sagen. Unser eigentliches Vorhaben, die Adria zu umrunden ging am heutigen Tag weiter. Aber auch diesmal waren wir uns einig wir werden auf jeden Fall wieder kommen.

Es ging nun wieder zu dritt weiter. Zunächst die Bundessstraße in Richtung Mostar. Immer entlang an den Flüssen Rama und Neretva schlängelt sich diese gut asphaltierte Straße durch die Berge des bosnischen Hinterlandes. Eine traumhafte Strecke für alle Motorradkategorien. Und ein wahrer Augenschmaus dazu. Allerdings immer vorausschauend fahren. Es herrscht reger LKW-Verkehr, der sich äußerst rücksichtslos verhält und scheinbar ein Rennen mit sich selbst und der Zeit fährt. Da wir zwei Jahre zuvor bereits in Mostar waren, verzichteten wir auf einen Besuch der berühmten Brücke und fuhren am nördlichen Stadtrand eine Umgehungsstraße in die Berge in Richtung Serbische Republik. Beim Blick auf Mostar von oben wurde einem schon anders. Von hier sah es aus, als wäre der Balkankrieg gerade erst zu Ende. Die Stadt wirkt völlig zerschossen und zerbombt, sehr bedrückend. Auch bei der anschließenden Fahrt durch die serbische Republik ändert sich dieser Eindruck nicht. Nur ein völlig zerschossenes Schild weist darauf hin, dass man gerade die Grenze überquert hat. Durch eine karge aber schöne Landschaft schlängelt sich die Straße über die Berge. Es könnte der Eindruck entstehen hier herrscht Fahrverbot. Auch jetzt im Nachhinein kann ich mich nicht daran erinnern, dass wir dort oben ein Fahrzeug oder einen Menschen gesehen haben. Die Warnschilder für Landminen rechts und links der Straße luden auch nicht zur Rast ein.

 

 

 

Also weiter, bis wir wenige Kilometer nördlich von Dubrovnik wieder die Grenze nach Kroatien überquerten.

 

 

Dort machten wir in einem hübsches Restaurant direkt am Meer erst einmal Rast. Die Pasta "Frutti di Mare" ist mir sogar in Erinnerung geblieben, was bedeutet  - sie war SPITZE  yes. Dann machten wir uns auf dem Weg Richtung Montenegro.

 

 

Ein Land, dass ich vor dem Urlaub nur in der Form auf der Karte hatte, dass wir halt durch mussten, um nach Albanien zu kommen. Das änderte sich mit dem Moment, in dem wir die Grenze überquerten. Auch hier wurden wir meist balkantypisch als Motorradfahrer bevorzugt behandelt und mussten nicht an der langen Schlange von Fahrzeugen anstehen. Wir fuhren in die Bucht von Kotor, um dort ein Hotel für eine Zwischenübernachtung zu suchen.  Eine traumhafte Landschaft, eine Bucht, die eher einem Fjord ähnelt. Gebirge bis direkt ans Meer, unglaublich hübsche kleine Orte entlang der Küstenstraße.

 

 

Montenegro war für mich die positivste Überraschung des gesamten Urlaubs. Ein Träumchen sag ich Euch enlightened. Und Jutta und ich sind uns einig. Da ist noch mal eine seperate Tour mit Schwerpunkt Montenegro fällig. Angehmer Nebeneffekt: Die Landeswährung ist Euro, obwohl man nicht der europäischen Währungsunion angehört. Wir fanden hier ein älteres aber sauberes Hotel unmittelbar am Fjord. Überraschender Weise war die Suche nach einem Hotel gar nicht so einfach, weil es einfach nicht viele gibt. Die Bucht scheint eher von Kreuzfahrtschiffen oder von Bussen mit Tagesgästen besucht zu werden.

 

 

Eigentlich schade, aber ich bin mir sicher, dass sich das ändert, dafür ist es dort zu schön. Nicht umsonst gehört der Ort Kotor zum Unesco Weltkulturerbe und die Bucht zum Weltnaturerbe.

 

13. Tag - 20. Mai 2012  -  323 Kilometer

 

 

Wir hatten uns vorgenommen an diesem Tag die Grenze nach Albanien zu überqueren. Im Vorfeld wurde zu Hause fleißig recherchiert und Reiseberichte gelesen, von "um Gottes Willen, bloß nicht, lebensgefährlich" bis hin zu "absoluter Geheimtipp" war alles dabei. Also dachten wir uns: Ähnlich wie im letzten Jahr mit Marokko - Hin fahren und selber ein Bild machen.

Wir fuhren zunächst wieder Richtung Adriaküste, um dann in Budva wieder in nördlicher Richtung ins Inland zu fahren. Kurz hinter Podgorica tankten wir noch einmal voll, wir wussten nicht, wie es um die Tankstellendichte in Albanien bestellt ist. Der Tankstop sollte sich lohnen. Es war wohl die bestgelegene Tankstelle, mit einem tollen integriertem Cafe, die ich jemals besucht habe.

 

 

Top Modern, auf einer Anhöhe gelegen, direkt neben Feldern und Hängen mit Weintrauben und Oliven. Eine tolle Aussicht über die Hügellandschaft Montenegros bis hinein nach Albanien.

 

 

Also wenn die Tankstelle noch einen Pool baut, dann baue ich hier beim nächsten Mal für eine Woche mein Zelt auf.smiley yes

Nun ging es weiter zur Grenze. Auch hier wurden wir an einer doch recht langen Autoschlange vorbei gewunken, um dort freundlich und unkompliziert abgefertigt zu werden. Na ja fast unkompliziert, der Zollbeamte der uns kontrollierte schien der Lehrling zu sein. Jeder Schritt wurde ihm mehrfach und auschweifend erklärt, so dass es doch etwas dauerte. Dann endlich ging es weiter, nach wenigen Kilometern gut asphaltierter Straße, war diese dann auch plötzlich zu Ende. Eine Großbaustelle, was heißt, mehrere Kilometer tiefer Straßenschotter machte uns, aber insbesondere Volker mit seiner K1200 zu schaffen. Aber, dass er sich später noch einmal nach dieser "Straße" zurücksehnen wird, konnten wir alle noch nicht ahnen.

 

 

Kurz hinter Shkodaer nahmen wir nicht den kürzesten Weg die Küste entlang, sondern bogen Richtung Osten ab und nahmen die Bundesstraße Richtung Kosovo.

 

 

Wir wollten schließlich etwas vom Inland sehen. Die Straße konnte man durchaus als in Ordnung bezeichnen, fantastische Landschaft mit sehr befremdend wirkenden kleinen Ortschaften.

 

 

 

Die Armut ist hier allgegenwärtig. Insgesamt sehr schmal für eine Bundesstraße und mit einigen gelegentlichen aber teilweise tiefen Schlaglöchern. Auf halber Strecke bogen wir nach Süden in Richtung Tirana ab. Ein Hinweisschild gab uns eine Entfernung von 131 Kilometer bis Tirana an. Aufgrund der Uhrzeit gingen wir davon aus, dass wir Tirana sogar noch hinten uns lassen konnten und noch einiges weiter in Richtung unserem eigentlichen Ziel Vlora fahren würden. Tja surprise, was für ein Irrtum blush. Zuerst sind wir ja an dieser Einmündung vorbeigefahren, weil diese Straße auf der Landkarte als Bundes- oder zumindest als Landstraße eingezeichnet war. Wir konnten einfach nicht glauben, dass das, was wir dort sahen, so etwas sein sollte. Also fuhren wir weiter. Je näher wir an die Grenze zum Kosovo kamen, desto sicherer waren wir uns, diese Straße war tatsächlich, die, die wir nehmen sollten, warum hätte auch sonst das Hinweisschild Richtung Tirana dort stehen sollen. Aber ich glaube wir wollten einfach nicht, dass es so war. Direkt zu Beginn ging es mit Schlaglöchern los. Wobei der Begriff Schlaglöcher nun neu definiert werden muss. Waren es bislang größere Beschädigungen der Fahrbahn, so handelte es sich ab sofort um das Fehlen ganzer Fahrbahnteile. Man fuhr quasi zunächst in ein solches Schlagloch rein, und dann auf der anderen Seite wieder raus. Das war selbst für unsere Reisenduros Hardcore, für Volkers K1200 einfach nur eine Zumutung. So nahmen auch die unbefestigen Fahrbahnteile deutlich mehr Fläche ein, als die paar Asphaltflicken, die es noch gab. 131 Kilometer bekamen plötzich eine neue Dimension. Mit gefühlter Schrittgeschwindigkeit ging es weiter. Bei entgegenkommenden LKW oder Schulbussen wurde es richtig eng. Sie schaukelten derart hin und her, so dass man auf jeden Fall ausreichend Seitenabstand halten musste, um nicht getroffen zu werden surprise.  So mühten wir uns die Straße entlang, meist immer Bergab und hochkonzentriert. Leider hatte man so kaum Zeit auf die Umgebung zu achten. Ein landschaftlicher Traum, ein Gebirgsbach hatte ein Schlucht gebildet rechts und links grünste Wiesen, und dann diese Felsenschluchten. Immer wieder Wasserfälle. Einfach nur schön. Nach gefühlten Stunden und etwas mehr als 40 Kilometern wurde die Straße dann besser, wir konnten einige Kilometer machen, was auch den Gemütszustand verbesserte, bis dann plötzlich nach einer Kurve die Straße aufhörte und als äußerst schlecht präparierte Piste weiter ging. Irgendwann kam die Erlösung. Im Tal sahen wir ein feines Asphaltband, eine nagelneue Autobahn. Hätte nie gedacht, dass ich mich mal so auf eine Autobahn freue. Zum Glück war eine Auffahrt in der Nähe und so konnten wir ca. 30 Kilometer feinste Autobahn befahren. Aber Vorsicht. Die Kurvenradien waren doch anders als bei uns, deutlich enger. Und auf der Mittelleitplanke machen es sich schon mal Kinder und Jugendliche bequem, um den Verkehr zu begrüßen, insbesondere uns, als doch eher seltene Gattung der Motorradtouries. Und der Standstreifen wird wohl eher als Mehrzweckstreifen betrachtet, also für Radfahrer, Fußgänger und Viehweg. Ist ja auch bequemer als diese Schotterpisten. O.K. die Autobahn ist neu, muss man noch üben. Die letzten Kilometer fuhren wir wieder auf einer eher unspektakulären Landstraße in Richtung Tirana. Einzig die Tankstellendichte war bemerkenswert. Im Kilometerabstand folgte eine nach der anderen. Fast alle hatten ein kleines Motel angebunden, so dass wir keine Schwierigkeiten hatten ein sehr einfaches aber sauberes Zimmer zu finden. Und eine warme Mahlzeit und ein kaltes einheimisches Tirana-Bier gab es auch. Und beides schmeckte auch noch yesyes.

 

 

Ein anstrengender aber doch auch sehr schöner Tag ging zu Ende. Und Volkers K1200 konnte mit Panzerband geholfen werden. Ein Tribut am Straßenzustand. wink 

 

14. Tag - 21. Mai 2012 - 226 Kilometer

 

 

Wir fuhren zunächst Richtung Tirana, dann durch Tirana, wobei sich das jetzt deutlich einfacher anhört als es war. Tirana war schon eine Zumutung. Eine sehr lebhafte verkehrsreiche Stadt. Ich hatte für Garmin Albanien nur in Form der Bundesstraßen zur Verfügung, da wir dachten die Straßendichte ist auch auf der Landkarte überschaubar. Was durchaus stimmt, aber auf keinen Fall auf Tirana übertragbar. Wir folgten einer großen mehrspurigen Promenade. Diese diente vermutlich dem früheren durchgekanllten Diktator, um dort seine Paraden abzuhalten, während der Rest der Bevölkerung in bitterster Armut lebte. Diese Promenade fuhren wir mehrfach auf und ab und bogen immer wieder woanders ab. Aber irgendwie schien keine Straße aus der Innenstadt hinauszuführen. Immer wieder landeten wir in eine Sackgasse. Irgendwann stellten wir fest, dass am Ende der Promenade eine wirklich kleine verwinkelte Straße die Richtige war, um Tirana in südöstlicher Richtung mit Zwischenziel Elbasan zu verlassen. 

Kurz vor Elbasan bogen wir in Richtung Küste ab. (Von albanischen Innenstädten hatten wir erst einmal genug angry)

 

 

 

Weinge Kilometer vor der Küste folgten wir der Bundesstraße in Richtung Berat, fuhren dann über Fier nach Vlora, unserem eigentlichen Ziel in Albanien. Hier machten wir zwei Übernachtungen klar, um eine Tagestour zu machen und dann mit der Fähre genItalien überzusetzen. Vlora hatten wir uns ausgesucht, weil hier die Adria zwischen Albanien und Italien mit ca. 70 Kilometern die engste Stelle hat.

 

 

Von Vlora aus gibt es eine Fährverbindung, die in fünf Stunden tagsüber nach Brindisi übersetzt. Bei allen Anderen wäre eine Übernachtung erforderlich gewesen. Um uns orientieren zu können, suchten wir erst einmal den Hafen auf. Schließlich ist es die zweitgrößte Hafenstadt Albaniens. Der Hafen ist allerdings so "riesig", dass wir zunächst zweimal dran vorbei gefahren sind. Konnten auch wirklich nicht ahnen, dass ein einziger Schiffsanlegesteg der zweitgrößte Hafen Albaniens sein soll. Von dort suchten wir das Hotel Lux auf. Das habe ich als einziges Hotel unserer Reise bereits mal im Vorfeld zu Hause gegoogelt und als mögliche Übernachtungsmöglichkeit in Erwägung gezogen. Es war einfach zu finden, einfach den Hauptboulevard vom Hafen aus in Richtung Innenstadt. An einem Platz mit Kriegsdenkmal lag es denn auch.

 

 

Erst vor zwei Jahren eröffnet, Zimmer im Top Zustand, auf modernstem Niveau, sehr sauber. Insgesamt hat das Hotel unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Und dann auch noch ein Doppelzimmer für 30 Euronen inklusive Frühstück. Dieses Hotel hat auf der gesamten Reise definitiv die Bestnoten verdientyesyesyesyesyes.

 

 

Auf der Suche nach einen guten einheimischen Restaurant am Abend waren wir jedoch erfolglos. Außer Straßencafes, allerdings alle paar Meter, Fastfoodbuden und Pizzerien scheint es dort wirklich nichts zu geben. O.k. für zwei bis drei Übernachtungen sollte es wohl reichen, und den Absacker gab es gegenüber vom Hotel in der Halloween-Bar, eine kleine gepfelgte Bar mit Biergarten. Der junge gut englisch sprechende Kellner wurde noch freundlicher, als wir Heineken und Becks ablehnten und einheimisches Bier bevorzugten.

 

15. Tag  -  22. Mai - ca. 280 Kilometer

 

 

Heute ließen wir mal das meiste Gepäck auf dem Hotelzimmer. Wir fuhren von Vlora aus immer die Küste entlang Richtung Süden bis nach Sarandae, eine Urlaubsstadt in der Nähe der griechischen Grenze. Die gesamte Strecke ein Traum. Meist mit Blick auf die traumhaft gelegene Adria ging es in unzähligen Kurven und Kehren immer wieder bis auf 1.000 Meter Höhe und wieder hinunter auf Meereshöhe.

 

 

Eine für albanische Verhältnisse sehr gut ausgebaute Straße mit nur wenigen Schlaglöchern. Diese Tagestour gehörte sicher zu den schönsten Touren des gesamten Urlaubs.

 

 

Unterwegs konnte man immer wieder in gepflegten Cafes Rast machen.

 

 

Auf dieser Tour fiel uns allerings auch auf, dass das Wetter an der Küste recht gut war, sobald man aber einige Kilometer ins Landesinnere schauen konnte, sah man auch, dass dort scheinbar die Welt unterging. Diese Tatsache war auch Anlass dafür, die gleiche Strecke entlang der Küste als Rückweg zu wählen und nicht durch das Landesinnere zu fahren.

 

 

Eine traurige Sache bleibt jedoch an diesem Tag in Erinnerung. Wir passierten an diesem Tag eine Unfallstelle, an dem Tags zuvor ein, mit Studenten besetzter Bus, einen Abhang hinter stürtzte, es gab viele Tote und Schwerstverletzte. Beim Passieren der Unfallstelle war diese überfüllt mit trauernden Angehörigen. Irgendwie gehörten wir zu diesem Zeitpunkt nicht dahin.

Nach der Rückkehr ins Hotel suchten wir einen der vielen Fastfoodoasen auf und dann gings in die Halloweenbar,

 

wo wir freudestrahlend mit einheimischem Bier begrüsst wurden. Schnapsmäßig sortiert war er wie alle Bars sonst wo in Europa., Es gab Jägermeister, Averna, Wodka, Rum und und und,..... . Also fragte ich nach einen einheimischen Schnappes. Empfohlen wurde Raki, nein kein Anisschnaps, eher ein Trester oder Grappa. Ausgeschenkt wurde in zahnputzbechergroßen Gläsern und bezahlt wurde, vermutlich wegen unserem Mut, von älteren Herren vom Nachbartisch. Mit mehreren Flaschen Bier spülten wir die Hausmarke runter. 50 - 60 % -iges brannte sich unsere Kehlen runter. Wir wollten gute Gäste sein und bestellten anschließend noch eine Runde, natürlich auch für die fünf Herrschaften vom Nachbartisch. Als sie dies mitbekamen, winkten diese so heftig ab, dass ich dachte die kugeln sich gleich die Schulter aus. An dieser Stelle ein Tip, wenn Einheimische vor dem eigenen Schnaps flüchten - erhöhte Vorsicht, aber allerhöchste erhöhte Vorsicht surprise cool. Ach ja bevor ich es vergesse, so ein Zahnputzbecher kostete umgerechnet 20 Eurocent crying

 

 

16. Tag  -  23. Mai  - 70 Kilometer

 

An diesem Tag fuhren wir mit der Fähre von Vlora nach Brindisi (Italien). Die Tickets hatten wir bereits am Abend zuvor in einem Hafenbüro gekauft und kosteten ca. 85 Euro pro Person inkl. Motorrad. Am Hafen wurden wir höflich und schnell abgefertigt, so dass wir bereits recht früh an Bord waren. Leider legte die Fähre dann mit etwas mehr als drei Stunden Verspätung ab. Dem Gestikulieren der Hafenpolizei und einigen Fährangestellte nach zu urteilen, hatte der Kapitän wohl etwas zu tief in Glas geschaut. Aber irgendwann ging es dann doch los. Wir verbrachten die ganze Fahrt über bei schönstem Wetter draußen auf dem Vorderdeck und ließen uns mit Musik von Frau Garmin beschallen. Wenn auch im Klang recht blechern das Navi, aber besser als nichts. In Brindisi wurde dann rechtzeitig vor der Hafeneinfahrt ein Lotse an Bord geholt. Ob dies in diesem Hafen gängige Praxis ist, oder auf den Zustand unseres Kapitän zuzrückzuführen ist, konnte wir nicht mehr ermitteln. Der Kapitän stand auf jeden Fall ziemlich zerzaust und zerknautscht auf der Brücke neben den Lotsen. Ich glaube der hätte das gute Schiff in die Kaimauer gesetzt, wenn es den Lotsen nicht gegeben hätte. So sah er zumindest aus. Bestimmt zuviel Raki, für 20 Cent den Becher. surprise

Dann waren wir im Hafen von Brindisi. Was wir nur vom Hörensagen wussten, am Tag zuvor hatte es in Brindisi an einer Schule einen Bombenanschlag gegeben. Das hieß für uns: Äußerst kleinliche und zeitraubende Einreisekontrolle.

Nachdem wir dann endlich weiter konnten war es bereits dunkel. Wir verließen Brindisi in grob südöstlicher Richtung, um uns etwas außerhalb ein Zimmer zu suchen. Das war jedoch nicht so einfach wie gedacht, weil es kaum welche gab. Also POI von Frau Garmin aufrufen und nachschauen. Sofort waren mehere Hotels im Umkreis von 10 Kilometern und außerhalb von Brindisi im Angebot. Also steuerten wir das am nächsten gelegene an. Und siehe da, es gab dort gar kein Hotel, nur freie Fläche. Es sah auch nicht so aus, als hätte hier jemals eins gestanden. O.k. Fehler im System, kommt ja vor, also auf zum nächsten. Und schaue da, wieder kein Hotel angryangryangry.  So wiederholte sich das einige Male. Wie wir noch einige Male auf dieser Reise feststellen mussten, Frau Garmin und Süditalien sind trotz Aktualisierung keine Freunde. Weder von der Aktualität der POI noch von den Straßen. Sie hat uns in den nächsten Tagen einige Irrfahrten beschert. Seltsamerweise wurde es jedoch immer besser je weiter nördlich wir fuhren. Vielleicht haben ja auch da die Paten ihre Finger im Spiel. devil

Zu guter Letzt sind wir dann gegen 22.30 Uhr in St. Vito di Nomannie in einem 4-Sterne Großschuppen abgestiegen. War o.k. aber sehr unpersönlich. Die Bar hatte den Charme einer Eisdiele. Aber egal, an dem Tag war bei mir war die Laune ohnehin im Keller sogar eher noch unterm Keller.

Und die ganze Italiengeschichte wird auf einer neuen Seite erzählt.

 

 

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